Verfasst von: Christian | 2. Juli 2008

Psychologie der Gewalt

Immer häufiger liest man, dass Menschen, die sich in eine Sache eingemischt haben, von der sie eigentlich gar nicht direkt betroffen waren, Opfer von Gewalttaten werden. Da ist die Freundin, die sich einmischt, um ihrer Freudin zu helfen und von deren Freund vor den Zug gestoßen wird, da ist der Lehrer, der Jugendliche auffordert nicht zu rauchen und fast zu Tode geprügelt wird oder einfach ein Passant, der anderen helfen will und selber Opfer wird.

Wenn man sich ansieht, wie viele Helfer zu schaden kommen, dann möchte man meinen, man solle sich lieber aus allem raushalten, doch ganz so ist es natürlich nicht. Wie üblich kommt es auf die Verhältnismäßigkeit an. Leider muss man heute bei vielen Jugendlichen davon ausgehen, dass sie gewaltbereit sind und es hat wenig Sinn als einzelner alter Mann zu versuchen, auf dem U-Bahnhof den Lehrmeister zu spielen. Nutzen und Gefahr stehen hier in keinem Verhältnis. Wir hätten zwar früher einen Rentner nicht zu Tode geprügelt, wenn er uns aufgefordert hätte, das Rauchen im Bahnhof einzustellen, aber ausgelächt hätten wir ihn und vielleicht auch beschimpft. Jugendliche fühlen sich in der Pubertät nun mal stark. Der Begriff „Halbstarke“ ist ja nun keine Erfindung des 21. Jahrhunderts und ein pensionierter Lehrer sollte wissen, dass er rein gar nicht bewirkt oder erreicht, wenn er zwei fremden Menschen das Rauchen untersagen will. Gesellschaftliche Probleme lassen sich nicht dadurch lösen, dass Einzelne den Helden spielen, sondern man braucht Veränderungen in den Lebensbedingungen und im sozialen Miteinander, die umzusetzen Geduld und Ausdauer erfordern.

Wenn jemand wirklich Hilfe braucht, dann sollte man eingreifen bzw. sich überlegen, wie man am besten helfen kann. Fast jeder hat heute ein Handy dabei und man kann, bevor man anfängt den Helden zu spielen, einfach erstmal die Polizei benachrichtigen.

Auch mit Hilferufen ist so mancher Täter in die Flucht geschlagen worden. Sollten sie selber einmal Hilfe benötigen, so merken sie sich folgende Regel. Sollten sich in ihrer Umgebung mehere Menschen befinden, so rufen sie nicht ungezielt um Hilfe, sondern sprechen sie ein oder zwei Personen ganz konkret an, dass sie ihnen bitte helfen mögen. Der Ruf in die Menge hat oft zur Folge, dass sich keiner so richtig verantwortlich fühlt und wartet, dass ein anderer helfen möge.


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