Verfasst von: Christian | 8. September 2008

Was Du heute kannst besorgen….

…das verschiebe ruhig auf morgen. Nicht wenige Menschen handeln nach dieser Devise, die für viele sogar zu einer Art Lebensphilosophie wird. Unter den Aufschiebern gibt es zwei verschiedene Typen, die vom Arztbesuch bis zur Steuererklärung alles vor sich hin schieben.

Die etwas mildere Variante des Aufschiebens praktiziere ich selber. Wenn mir bei bestimmten Aufgaben nicht ein Termin oder sonstiges im Nacken sitzt, dann kann ich mich einfach nicht motivieren. Ich habe versucht herauszufinden, ob ich mich ändern kann oder will, aber letztendlich ist diese Vorgehensweise, alles bis zum letzten Termin herauszuschieben bei mir schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass es wohl einer längeren Therapie bedarf, um das aus mir raus zu bekommen. Und vielleicht ist es ja auch garnicht nötig, denn ich leide nicht darunter und der Adrenalinschub „der letzten Minuten“ vor dem Termin setzt bei mir Kräfte frei, die ich sonst nicht hätte.

Schwerwiegender sind die Fälle, bei denen Menschen Dinge auch über den Termin hinaus verschieben, d.h. die endgültige Erledigung verpassen oder so spät damit anfangen, dass es zeitlich nicht mehr zu schaffen ist. Das kann eine Diplomarbeit sein, aber auch nur ein simpler Strafzettel, dessen Nichtbezahlung irgendwann dazu führt, dass sie ein Rattenschwanz an Kosten und Ärger anknüpft. Auch diese Phase gab es in meinem Leben, doch glücklicher Weise konnte ich mich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Das gelingt aber nicht allen und jahrelange Depressionen können die Folge sein.

In diese Zeit, wo ich mich um nichts gekümmert und alles habe liegen lassen, befand ich nach einer Trennung in einem Zusatnd der Resignation. Ich öffnete keine Post mehr, da ich ja wusste, dass es eh nur unangenehme Dinge wie Rechnungen, Mahnungen, Vollstreckungsbescheide oder sonstige Schreiben waren, die eh keiner lesen möchte. Irgendwann wurde für mich schon der Weg nach Hause zur Belastung, weil ich wusste, was dort auf mich wartet. Also ging ich jeden Abend aus, um dann spät genug zurückzukehren, dass an eine Erledigung sowieso nicht mehr zu denken war. Gut schlafen, mit all den Briefen in meiner Wohnung, konnte ich nur nach ein paar Gläsern Wein. Problem an solchen Situationen ist, dass sie in eine Spirale nach unten geraten, einen Teufelskreislauf, aus dem zu entrinnen nicht leicht ist. Die ungeöffneten Briefe bringen natürlich enorme Kosten mit sich. Aus einer Rechnung von 100.- EUR wird innerhalb kurzer Zeit ein Betrag von 200.- bis 300.- EUR und das allabendliche Weggehen ist ja auch nicht umsonst. Ganz leicht können so monatliche Mehrkosten von 500.- EUR und mehr entstehen, die bei vielen als nächstes eine Verschuldung zur Folge haben. Man muss hier ga rnicht viel Phantasie haben um sich vorzustellen, wie die nächsten Probleme aussehen könnten, denn wer erst einmal mit Schulden zu kämpfen hat, der ist vielfach schon am sozialen Abgrund angekommen. Kein Geld mehr für Urlaube, kein Geld für notwendige Zuzahlungen bei Arztbesuchen (weshalb diese dann unterlassen werden) , soziale Kontakte werden nur noch in der Kneipe unter Gleichgesinnten gepflegt, denn das Gerede der alten Freunde über Aktienkurse, Ferienhäuser und Wellnesstrends können sie nicht mehr hören. Und die Spirale dreht sich immer weiter nach unten, denn selbst wenn sie anfangen sich um die Probleme von Zeit zu Zeit zu kümmern, wachsen diese den meistens Menschen über den Kopf. Bei jeden Schritt vorwärts werden gleichzeitig zwei Schritte rückwärts gemacht, weil die Energie fehlt, das Problem bei den Wurzeln anzugehen.

Aber was ist das Problem? Warum gerät man in so eine Abwärtsspirale? Und wie kommt man da wieder heraus?

Die Gründe, wieso man in so eine Lage gerät, sind natürlich vielfältig, manche haben es nicht anders gelernt, manche geraten durch einer schweren Lebensphase hinein und manchmal kann es auch krankhaft sein. Ich habe bei keinem meiner Freunde und Bekannten, die ähnliche Erlebnisse hatten erlebt, dass sie es ganz alleine geschafft hätten. Ab einem bestimmten Punkt braucht man einfach Hilfe, entweder von Freunden, aus der Familie oder am besten durch einen Psychologen. Man muss an den Punkt der Umkehr gelangen, wo man in der Lage ist sein Verhalten grundlegend zu ändern und alte Muster über Bord zu werfen. Schritt für Schritt muss der Berg an Schwierigkeiten abgebaut werden, um ein neues Leben beginnen zu können.

Allen Betroffenen rate ich so schnell wie möglich Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wer heute vielleicht das Licht am Ende des Tunnels noch für einen entgegenkommende Zug hält, der kann schon nach wenigen Wochen mit neuer Energie und Motivation ausgestattet wieder ein lebenswertes Leben führen. Supervision


Responses

  1. In einem Wort:Alltagsprobleme. Ja die koennen auch die am meisten ruhigen und besonnenen Personen in einem Teufelskreislauf ziehen. Da handelt es sich dann um eine Art Entziehung und die kann dich dann ruinieren sozial, finanziell usw. Nur ein ehrlicher Blick in den Spiegel kann dir dann helfen.

  2. umsonst schaut man in den Spiegel wenn man sich nicht wieder-erkennt…diese Probleme ruinieren das Leben,das soziale Umfeld und alles was damit zu tun hat


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