Verfasst von: Christian | 1. Oktober 2008

Hemmschwellen

Es gibt Untersuchungen die belegen, dass ein Mensch etwa 200 Mal am Tag lügt. Es sind nicht die großen Lügen, um die es hier geht, sondern eher die kleinen Alltagslügen. Werden wir gefragt wie es uns geht, so erwartet der Fragende keinen ausführlichen Bericht über den Gesundheitsstand und die seelische Verfassung, sondern er möchte hören, dass es uns gut geht. Natürlich tun wir ihm diesen Gefallen, egal wie es tatsächlich in uns aussieht. Kleine Lügen gehören so sehr zur Konversation, dass sie uns gar nicht mehr auffallen.

Anders sieht es mit den bewussten Lügen aus, wo wir jemanden ganz gezielt mit der Absicht belügen, einen Vorteil zu erhalten. Diese Lügen fallen den meisten Menschen schwerer, denn sie entsprechen nicht den allgemeinen Moralvorstellungen und vor allem möchten wir dabei ja auch nicht erwischt werden. Je direkter wir mit der belogenen Person in Kontakt stehen, umso schwieriger wird das Lügen und umso seltener wird dementsprechend auch gelogen. Jemandem direkt ins Gesicht zu lügen ohne dabei rot zu werden oder sich durch andere Verhaltensweisen zu verraten, dazu gehört schon eine Portion Dreistigkeit. Viel leichter dagegen fällt es uns am Telefon, im Brief oder per E-Mail zu lügen.

Amerikanische Forscher haben zu diesem Thema nun eine Studie gemacht. In einem Test erhielten eine Reihe von Versuchspersonen eine Geldbetrag und sollten diesen mit anderen Versuchspersonen teilen. Die Partner wussten natürlich nicht, wie hoch der Geldbetrag war und so konnten die „Geldgeber“ ganz beliebig ehrlich oder unehrlich vorgehen. Dabei stellte sich heraus, dass auf dem Kommunikationsweg E-Mail deutlich häufiger und stärker gelogen wurde als in einem herkömmlichen Brief. Zudem fanden die Forscher heraus, dass umso mehr gelogen wurde, je weniger sich die Personen bekannt waren.

Für die Bürokommunikation ist das ein interessantes Ergebnis. Vielleicht lesen sie sich ja unter diesem Aspekt mal ihre E-Mails der letzten Monate durch. Sie können sicher sein, dass sowohl die gesendeten als auch die empfangenen Mails nicht immer die reine Wahrheit beinhalten. Wer mit einem Geschäftspartner per Telefon und per Mail in Kontakt steht, sollte sich von Zeit zu Zeit darüber Gedanken machen, weshalb der andere und zu welchen Gelegenheiten die Variante E-Mail bevorzugt. Aber sollten sie jemanden beim lügen erwischen, dann vergessen sie nicht die Geschichte mit dem Glashaus, versprochen? 🙂


Responses

  1. Luegen haben also laengere Beine ueber dem Internet? Ist das Internet die neue Unterkunft des Luegens? Auf jeden Fall ist es aber echt logisch dass uns luegen einfacher ist wenn man die Person nicht vor den Augen hat.

  2. Wenn man mit einer Person total offen sein kann ohne diese kleinen alltaeglichen Luegen zu verwenden dann hat man echt einen besonderen Menschen gefunden.

  3. 200 mal am Tag luegen wir? Wirklich? Dass finde ich doch uebertrieben. Ich habe doch nicht einmal so viele Gespraeche am Tag um 200 mal zu luegen.


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