Verfasst von: Christian | 13. Oktober 2008

Anidepressiva kaum besser als Placebos


Seit Jahren werden sie als Glückspillen benutzt: Prozac, Zoloft und Effexor heißen die Mittel, die laut Pharmahersteller depressiven Patienten so gut helfen sollen. Allerdings kommen neue Studien zu ganz anderen Ergebnissen. Demnach gibt es kaum noch einen Grund Antidepressiva zu verschreiben.

Antidepressiva der neuen Generation haben einer britischen Studie zufolge bei den meisten Patienten kaum eine Wirkung. Sie hätten auf die meisten Menschen mit mittelschweren Depressionen keinen anderen Effekt als das Scheinmedikament Placebo, berichten britische Forscher in einer Studie der Universität Hull. Wirkung hätten die Medikamente nur bei einer sehr kleinen Gruppe von Patienten, die an schwersten Depressionen litten.„Der Unterschied in der Besserung bei Patienten, die Placebos nehmen und Patienten, die Antidepressiva nehmen, ist nicht sehr groß“, sagte Professor Irving Kirsch von der Psychologie-Fakultät in Hull.Die Studie sei eine der gründlichsten über Antidepressiva der neuen Generation, der sogenannten Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Selbst Klinikstudien, die auf eine positive Wirkung bei schwerdepressive Patienten hindeuteten, hätten dafür keine klaren Beweise gegeben, erklärten die Wissenschaftler.Erst kürzlich berichteten amerikanische Forscher im „New England Journal of Medicine“ (NEJM), dass Antidepressiva-Hersteller ein Drittel an wichtigen Studien niemals publiziert haben. Betroffen seien durchweg Studien mit negativen oder zweifelhaften Ergebnissen. Den Forscher zufolge fielen dabei die Ergebnisse von insgesamt 3449 Studienteilnehmern negati aus. In den 74 Untersuchungen ging es um insgesamt zwölf Medikamente. Betroffen sind unter anderen die Hersteller Eli Lilly (Prozac), Pfizer (Zoloft) und Wyeth (Effexor).Ob eine Studie publiziert wurde oder nicht, hing den Wissenschaftlern zufolge vom Ergebnis ab. 37 Studien mit positivem Ergebnis wurden publiziert, nur eine einzige nicht. Von den Studien mit negativem oder zweifelhaftem Ergebnis sind 22 niemals veröffentlicht worden und elf in einer Art und Weise, die vorspiegelte, als handle es sich um ein positives Ergebnis. Nur drei Negativ-Studien gelangten ans Licht der Öffentlichkeit. In der Fachliteratur entstand dadurch ein geschöntes Bild: So stieg in den USA beispielsweise Prozac schnell zur Modedroge auf. 1993 kürte das „Time Magazin“ Prozac zur „Pille des Jahres“. Das Wissenschaftsmagazin „Lancet“ jubelte 1990: „Nehmen Sie die Pille und werden Sie glücklich.“

Innerhalb von zehn Jahren verdreifachte sich die Menge an Rezepten. Aufgrund der relativ leichten Handhabung – Wechselwirkungen mit anderen Mitteln waren nicht zu berücksichtigen – verschrieben nicht nur Neurologen und Psychiater die Glückspille, sondern auch Hausärzte. Wenn sie solche Mittel benuzen, sollten sie vielleicht einen anderen Arzt suchen, der sie besser aufklären kann, und der eine andere Lösung finden kann.


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