Verfasst von: Christian | 15. Oktober 2008

Was Du heute kannst besorgen…

…das verschiebe ruhig auf Morgen. Die Abwandlung des eigentlichen Sprichwortes klingt nach dem Charme eines Studenten, der im 27. Semester Volkwirtschaftslehre immer noch vergeblich an seinem ersten Schein arbeitet. Aufschieber gibt es aber nicht nur unter den Dauerstudenten, sondern fast jeder von uns hat eine kleine Tendenz dazu, Dinge nicht unbedingt immer am selben Tag zu erledigen. Ich bin der Meinung, dass dies auch durchaus seine Berechtigung hat, denn unsere Aufgaben treffen nun mal nicht in der Reihenfolge ein, wie es unserem Zeitplan und unseren Möglichkeiten entspricht. Zudem haben sie ja auch unterschiedliche Dringlichkeiten, man sollte also die Erledigung von Aufgaben nicht von einem Sprichwort, sondern von deren Dringlichkeit anhängig machen.

Ich selber gehöre zu den Menschen, die gerne alles auf den letzten Drücker erledigen, denn dann habe ich die richtige Motivation und Energie – es ist wie ein Kick, der mir vorher fehlt.

In einem Artikel habe ich jetzt auch das Fachwort für mein Verhalten gefunden und ich bin ganz stolz, dass ich eine psychische Störung mit eigenem Namen habe. Prokrastination – so heißt die psychologisch korrekte Bezeichnung für dieses Verhalten. Es steht für das unnötige Aufschieben von Tätigkeiten auf den nächsten Tag und setzt sich zusammen aus dem lateinischen pro: für und cras: morgen. Prokrastination hat nichts mit Faulheit zu tun, sondern es ist eher eine Art Lebenseinstellung. Da man ja dann im Moment der Erledigung der Aufgaben gestresst ist, um den Termin nicht zu versäumen, macht man auf seine Umwelt sogar eher den Eindruck eines Workoholics. Es ist eine Art von Lifestyle, der einen wichtiger erscheinen lässt und hat man dann die Aufgabe „just in time“ erledigt, fühlt man sogar noch gut dabei und ist stolz auf sich. Prokrastination ist solange kein großes Problem, solange man die Dinge wirklich noch in der Zeit erledigt, doch leider gibt es auch die hartgesottenen Zeitgenossen, die alles bis auf den Sanktnimmerleinstag verschieben und dann ernste Probleme bekommen, die bis hin zu einer ausgewachsenen Depression führen können.

Hier ist dann Hilfe von außen nötig, denn ein eingespieltes Verhalten selber zu ändern, gelingt den meisten Menschen nicht. In Therapien wird den „Patienten“ beigebracht ihr Verhalten bewusst zu erkennen und zu steuern, es werden Ängste genommen, die auch Grund für ein Verschiebeverhalten seien können und es wird gemeinsam eine Systematik entwickelt, wie man Aufgaben stückweise erledigen kann. Zum Beispiel beim Aufräumen des Schreibtisches oder der Wohnung kann man sehr gut mit festen Plänen Stück für Stück dem Chaos Herr werden, anstatt alles auf einmal zu versuchen.

Durchsuchen sie doch mal ihre Wohnung nach Ecken, die schon lange nicht mehr gereinigt wurden, weil es ihnen nicht wichtig war. Oder leeren Sie mal ihren Kofferraum aus. Sollten sie noch eine Raider-Verpackung finden, dann wissen sie, dass Sie seit 1991 den Saustall nicht mehr entrümpelt haben. 🙂


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