Verfasst von: Christian | 11. November 2008

Der Schatz der Phantasie

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Wenn ich mich mit Eltern unterhalte, dann höre ich immer, wie stolz sie sind, was ihr kleiner 3-jähriger Satansbraten schon alles kann. Er kann fertige Skizzen bunt ausmalen, er kann seinen Namen aus vorgefertigten Buchstaben zusammen legen, er kann das neuste Computerspiel bis Level 5 absolvieren, er weiß, wo an der Fernbedienung die Pausentaste ist, er kann „Mensch ärger Dich nicht spielen“ und und und. Natürlich kennt er die Hälfte der Werbemelodien aus dem Fernsehen und kann sie nachsingen. Erzählt man dann, dass das eigene Kind im selben Alter solche Dinge noch nicht konnte oder nicht machen wollte, dann wird man mitleidig angesehen. Es ist dieser Blick, der einem sagt, dass da wohl ein neuer Tunichtsgut heranwächst, der später zu blöd sein wird, um alleine Harzt IV zu beantragen.

Natürlich müssen Kinder die o.g. Dinge irgendwann lernen, aber das tun sie von alleine. Hier gilt auch nicht, je früher umso besser. Kein Mensch auf der Welt ist berühmt geworden, weil er seinen Namen so toll schreiben konnte, oder weil er alle Funktionen seiner Fernbedienung aus dem ef ef kannte. Die Menschen, die es auf unserer Welt zu etwas gebracht haben, die hatten alle eines gemeinsam, sie hatten Phantasie. Sie waren gute Schauspieler, weil sie in der Lage waren, sich in eine Rolle hineinzuversetzen, sie waren Erfinder, weil sie Ideen hatten oder sie haben Konflikte gelöst, weil sie sich vorstellen konnten, welcher der richtige Weg ist.

Kinder brauchen keine fertigen Spiele, sie brauchen jemanden, der ihre Phantasie anregt. Wenn ich mit Kindern spiele, dann bringe ich ihnen bei, wie man ein Phantom, dass in der Wohnung herumgeistert so verzaubert, dass es anschließend in einem kleinen Ball passt. Oder ich zeige ihnen die Welt. Wir bauen uns eine kleine Höhle, in der es dunkel ist und dann reisen wir eng aneinander geschmiegt zu Orten, die noch kein Mensch gesehen hat. Wir reisen auf Inseln, wo alle Bäume blau sind, wo die Häuser aus Schokolade gebaut werden, wir machen uns so klein, dass wir auf dem Rücken einer Schnecke als Passagiere mitreisen können oder wir machen uns so groß, dass wir ganze Städte und Landschaften von oben sehen können. Wir besuchen die Leute in Amerika, fragen sie, wie das Leben denn bei ihnen so ist und ob sie glücklich sind. Wir sprechen mit den Tieren um zu verstehen, was sie denken. In meinen Augen ist es das, was kleine Kinder vor allem brauchen, denn diese Art von Spielen macht mit ihnen sonst keiner. Den Rest lernen sie im Kindergarten und in der Schule.

Steht ein Mensch später mal vor einem Problem, dann hilft es ihm wenig, wenn er frühzeitig gelernt hat, Werbeslogans nachzusingen. Was ihm aber sehr wohl helfen wird, ist die Fähigkeit, von außen auf seine Situation zu schauen, sich quasi neutral zu beobachten und mit der im Kindesalter erworbenen Fähigkeit zu abstraktem und kreativem Vorstellungsvermögen eine Lösung zu finden.


Responses

  1. Wie war. Aber leider leider vergleichen Eltern besonders gern ihre Kinder und manchmal gerät man auch in diesen Struddel „ogott mein Kind kann das noch nicht“ und man weiß genau das das bescheuert ist so zu denken aber man hat dann doch den Ehrgeiz.
    Kinder brauchen keine Computer (zumindest unter 6 nicht), Unmengen von Spielzeug, sie brauchen sich, ihresgleichen und liebende verständnissvolle Eltern.

  2. Ja stimmt, das habe ich auch ganz oft bei Bekannten von mir beobachtet! Schönes WoE!


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