Verfasst von: Christian | 14. November 2008

Wahrheit oder Täuschung V – Freunde

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In der Not sieht man, wer die wahren Freunde sind, doch wollen wir das wirklich? Ich glaube nein, denn sonst würden wir uns bei der Auswahl unserer Freunde schon vorher mehr Mühe geben und nicht erst in der Bedrängnis feststellen, dass auf die Hälfte von ihnen kein Verlass ist. Ich glaube, jeder wird mir bestätigen, dass es die meistens Menschen genießen, wenn sie einen großen Freundeskreis um sich herum haben. Sie empfinden das als eine Art von Bestätigung, es stärkt das Selbstbewusstsein, wenn man gemocht wird und die Leute ihre Zeit gerne mit einem verbringen. Man findet sich auf einmal selber interessanter, als man vielleicht eigentlich ist. Ob sich in dem großen Freundeskreis viele faule Eier befinden, dass kümmert einen nicht, solange alles in Ordnung ist. Ich habe noch nie einen Menschen kennen gelernt, der ohne Not angefangen hätte, seinen Freundeskreis nach Qualität auszusortieren.

Wieso interessiert uns nicht, wer unsere wahren Freunde sind? Warum lassen wir uns gerne täuschen? Es geht ja nicht nur um die Menschen, die unsere Freunde sein wollen, sondern auch um die, deren Freunde wir gerne wären. Warum wollen wir uns unter dem Glanz von Menschen sonnen, die uns vielleicht wichtiger und besser vorkommen, als wir es von uns annehmen? Wer würde schon die Freundschaft eines Prominenten gleich wertschätzen, wie die Freundschaft eines Hartz IV-Empfängers. Seien wir doch mal ehrlich, es sind nur die wenigsten von uns. Uns interessiert nicht, wie ehrlich die jeweilig angediente Sympathie ist, sondern nur, ob sie uns zur Ehre gereicht. Können sie von sich sagen, dass sie wichtige Persönlichkeiten zu ihren Freunden zählen, so fühlen sie sich selbst gleich wichtiger. Haben sie einen Philosophen zu Gast, so fühlen sie sich gleich ein Stückchen intellektueller, ist es ein Sportler, so werden sie sich sportlicher fühlen. Wir passen uns unserer Umgebung an und deshalb wollen wir uns auch mit diesen Federn schmücken, selbst wenn sie nicht uns gehören.

Schauen sie genau hin und sie werden sehen, dass ich mit der folgenden Regel Recht habe:

Uns ist die Quantität unserer Freunde wichtiger als die Qualität der Freundschaften und uns ist die Qualität unserer Freunde (deren sozialer Status) wichtiger als die Qualität der Beziehung, die wir zu ihnen haben. Dieses Verhalten beginnt schon sehr früh im Leben und begleitet uns mindestens bis zur ersten schweren Krise. Erst danach fangen einige von uns an, ihre Kriterien an die gemachte Erfahrung zu adaptieren.


Responses

  1. Ola!

    Für meinen Freundeskreis war es noch nie wichtig, welchen „Status“ jemand hat oder ob ich mich in seiner „Berühmtheit“ sonnen kann.

    Viel wichtiger sind gemeinsame Interessen und das Gefühl, durch das Gegenüber „ergänzt zu werden“. Anregende Gespräche kann ich mit Harz-IV-Empfängern sicher ebenso häufig führen, wie mit B-Promis.

    Mit hanfigen Grüßen
    Steffen


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