Verfasst von: Christian | 16. November 2008

Wahrheit oder Täuschung X – Phantasie

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Wie viel Phantasie verträgt unser Alltag und wie viel Realität braucht die Phantasie, um uns Spaß zu machen? Der berühmte Science-Fiction Autor Stanislaw Lem (Solaris) hat in einem Bücher eine kleine Theorie über den Science-Fiction Roman zusammen gestellt. Grundlage für jede verständliche Phantasie ist das Vorhandensein bekannter Dinge, Tätigkeiten und Parameter. Wir können uns vorstellen, dass reale Personen Dinge tun, die wir nicht kennen, wie zum Beispiel das Beamen auf dem Raumschiff Enterprise. Wir können uns sogar noch auf Dinge, Tätigkeiten oder Eigenschaften einlassen, die nicht nur unbekannt, sondern auch unverständlich sind. „Captain Brubacker hat den Visamaten repariert“ Wir wissen nicht was es ist, aber trotzdem erhalten wir eine verwertbare Information, deren genaue Bedeutung vielleicht später in der Geschichte aufgelöst wird.

Gehen wir einen Schritt weiter. Im letzten Beispiel waren uns Subjekt und Prädikat bekannt, lediglich das Objekt kannten wir nicht. „Captain Brubacker hat den Visamaten geschloppt“

Auch in diesem Beispiel würden wir das Buch noch nicht aus der Hand legen, denn immerhin ist uns noch das Subjekt bekannt und wir haben Geduld, die Bedeutung von Objekt und Prädikat zu erfahren. „Das Okro hat den Visamaten geschloppt“ – hier ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Wir können mit dem Satz nichts mehr anfangen und würden ein Buch nach wenigen Seiten zur Seite legen, wenn nicht doch noch aus dem wahren Leben bekannten Elemente auftauchen würden.

Unser Phantasie hat also sehr enge Grenzen. Wir können lediglich der Realität einige phantastische Elemente hinzufügen, aber keine ganz neue Welt erfinden. Am größten ist unsere Einbildungskraft bei Personen und Gegenständen, am geringsten ist sie bei Tätigkeiten, denn für unser Verständnis ist wichtiger zu wissen, was getan wird, als zu verstehen, wer es tut. Sage ich euch, dass ein Ork schwimmen geht, dann habt ihr eine Vorstellung von dem, was passiert. Sage ich aber, dass ein Mensch laschrabiert wird, dann habt ihr nicht die geringste Idee von dem, was passiert.

So sehr wir uns nach Phantasie und Täuschung auch sehnen, wir wagen uns nicht sehr weit hinaus. Eine zu große Dosis an Realitätsferne wird für uns bedrohlich und wir ziehen uns zurück.


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