Immer mehr Menschen in den Industrieländern leiden unter Übergewicht, was nicht nur eine Fülle von gesundheitlichen Problemen mit sich bringt, sondern auch die Lebensqualität der Betroffenen oft erheblich einschränkt. So unbestritten es auch ist, dass in vielen Fällen eine zu kalorienreiche Ernährung in Verbindung mit einem Mangel an Bewegung zu dieser Entwicklung geführt hat, so sicher ist es auch, dass es eine ganze Reihe von psychischen Gründen gibt, die zu einem zu hohen Körpergewicht führen und dazu, dass es den Betroffenen nicht gelingt, die überflüssigen Pfunde wieder loszuwerden und somit durch eine Gewichtsreduktion auf ein Normalmaß zurückzuführen.
Psychische Gründe für die Entstehung von Übergewicht
Eine große Rolle spielen die Erfahrungen, die man in der Kindheit gemacht hat. So gibt es Mütter, die ihre Kinder mit Süßigkeiten belohnen oder trösten. Im späteren Leben kann der Jugendliche oder Erwachsene in diesem kindlichen Verhalten gefangen bleiben und sich immer dann, wenn er einen Misserfolg im Beruf oder der Partnerschaft zu verkraften hat, mit Essen trösten. Kommt es auf Grund der erhöhten Nahrungsaufnahme zu immer mehr Übergewicht, verstärkt diese Tatsache das Problem, dass man sich dem Leben hilflos ausgeliefert fühlt. Je mehr man zunimmt, desto leichter isoliert sich man von anderen Menschen und desto minderwertiger fühlt man sich mit der Zeit. Frustessen kommt besonders häufig in Übergangsphasen der Entwicklung vor – in der Pubertät, den Wechseljahren oder nach der Pensionierung, wenn Menschen erkennen, dass ihr bisheriges Lebenskonzept einer Überprüfung bedarf. Ein weiterer Grund für die Entwicklung von Übergewicht – vor allem bei Frauen- kann eine unbewusste Angst vor der eigenen Geschlechterrolle sein. In besonders schlimmen Fällen kann eine Missbrauchserfahrung die Ursache für die Angst vor der Sexualität sein. Das Übergewicht ist in solchen Fällen eine Art Schutzschicht, die einen vor der Annäherung durch das andere Geschlecht bewahrt. Das Unbewusste wird in solchen Fällen zuverlässig dafür sorgen, dass jeder Diätversuch scheitert, und man kannsich dadurch auch an einer Essstörung erkranken.
Therapiemöglichkeiten bei psychisch bedingten Gewichtsproblemen
Bevor der Körper geheilt werden kann, muss die Seele gesunden. Das gilt auch bei Gewichtsproblemen, die nicht durch Freude am Essen und eine bewegungsarmen Alltag entstanden sind, sondern durch psychische Probleme. Für Übergewichtige kann es schon eine große Hilfe sein, sich in Büchern oder Internetforen über die möglichen Ursachen ihres Übergewichtes zu informieren und sich selbst nicht zu verurteilen, sondern liebevoll anzunehmen. Dabei können Gleichgesinnte eine große Hilfe sein. Eine Selbsthilfegruppe im Netz, oder besser noch im wirklichen Leben vor Ort zu finden, kann der erste Schritt zu einer wirkungsvollen Therapie bei Übergewicht sein. Sind die psychischen Gründe für die Gewichtsprobleme aber so tief verborgen, dass der Betroffene alleine oder mit anderen Laien nicht weiterkommt, ist die Hilfe eines Therapeuten notwendig, der ihm in einem angstfreien Raum dazu verhilft, sich wirklich zu öffnen. Möglichkeiten hierfür bestehen unter anderem in Kurkliniken, die sich speziell auf die Reduktion von Übergewicht spezialisiert haben. Es muss aber nicht immer eine Kurklinik sein. Ein Anfang ist of schon gemacht, wenn man beispielsweise im Sporturlaub, wenn man Abstand von den alltäglichen Sorgen hat, eine neue Sportart erlernt und versucht, diese auch nach dem Urlaub regelmäßig auszuüben. Ist erst einmal verständen, welchen „Sinn“ das Übergewicht für einen Menschen hat, kann man ihm auch Schritt für Schritt dabei helfen, andere Strategien der Lebensbewältigung zu entdecken als übermäßiges Essen. So können Freundschaften, Meditation, Entspannungsübungen, Massagen, warme Bäder, Bewegung an frischer Luft, ein Hobby und vieles andere mehr zu einem angstfreieren und erfüllteren Leben führen, in dem die Nahrungsaufnahme kein Ersatz für fehlende Bestätigung mehr sein muss und die Psyche die Maßnahmen zur Gewichtsreduktion nicht mehr blockiert.